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Stressbewältigung: Wie Sie innere Ruhe finden können

Stress ist für die meisten unter uns zu einem alltäglichen Begleiter geworden. Die Bewältigung von Stress ist maßgeblich entscheidend für unser alltägliches Wohlbefinden und unsere mentale Gesundheit. Innere Balance gerät ins Wanken. Sei es durch berufliche Anforderungen, private Verpflichtungen oder die ständige Flut an Informationen. Als psychologische Beraterin erlebe ich täglich, wie sehr sich Menschen nach mehr Ruhe, Klarheit und Stabilität sehnen. Die gute Nachricht: Es gibt wirksame, wissenschaftlich fundierte Wege, dem Stress zu begegnen und die eigene Resilienz zu stärken.
Ich möchte Ihnen einen tieferen Einblick gewähren und effektive Strategien vorstellen, wie Sie Ihre innere Ruhe wiederfinden können.


Termine, Erwartungen, ständige Erreichbarkeit und innere Ansprüche lassen uns oft das Gefühl haben, als würden wir auf einer permanenten Überholspur fahren. In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die sich nach einem Moment des Durchatmens sehnen – nach dieser leisen, verlässlichen Ruhe, die wir oft erst vermissen, wenn sie verschwunden ist. Doch innere Ruhe ist kein Luxus. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unserer psychischen Gesundheit und kann, wissenschaftlich betrachtet, erlernt und kultiviert werden.

Stress ist zunächst keine Schwäche oder etwas Gefährliches, sondern ein natürlicher biologischer Mechanismus, der uns auf Herausforderungen vorbereitet. Der Körper aktiviert dabei das sogenannte Stressreaktionssystem: Herzschlag und Atmung steigen, Hormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Kurzfristig kann das sogar hilfreich sein, da es uns leistungsfähiger, konzentrierter und wacher macht. Erst wenn diese Aktivierung nicht mehr abklingt und der Körper im Dauerbetrieb bleibt, entsteht das Gefühl von Überforderung. Schlafprobleme, innere Unruhe, Gereiztheit oder Erschöpfung sind häufige Folgen. Deshalb geht es bei Stressbewältigung nicht darum, Stress grundsätzlich zu vermeiden – das wäre wenig realistisch –, sondern darum, unseren Umgang mit ihm zu verändern und den Zugang zu unserer inneren Balance wiederzufinden. Der Schlüssel liegt also nicht darin, Stress vollständig zu vermeiden – sondern ihn so zu regulieren, dass wir wieder in unsere innere Balance finden.
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Problematisch wird Stress erst dann, wenn er chronisch wird. Dann können die eben genannten Symptome wie Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen oder emotionale Erschöpfung auftreten.

Ein hilfreicher Ansatz ist die Achtsamkeit. Sie lädt uns ein, aus dem gedanklichen Autopiloten auszusteigen und bewusst in der Gegenwart anzukommen. Achtsamkeitsbasierte Methoden reduzieren nachweislich Stress und fördern die emotionale Stabilität. Achtsamkeit bedeutet, bewusst im Moment zu sein – ohne zu bewerten.

Praktischer Tipp: Nehmen Sie sich dreimal täglich 60 Sekunden Zeit, um bewusst zu atmen. Spüren Sie, wie der Atem ein- und ausströmt. Diese kurze Micro-Pause signalisiert dem Nervensystem: „Alles ist gut.“ Selbst kurze bewusste Atemzüge, ein Moment des Innehaltens zwischen zwei Aufgaben oder ein achtsamer Blick in die Umgebung reichen oft aus, um dem Nervensystem ein Zeichen der Entspannung zu senden. Diese kleinen Pausen sind wie stille kleine Inseln im Alltag – unscheinbar, aber äußerst wirkungsvoll.


Ebenso bedeutend ist das Wahrnehmen und Setzen eigener Grenzen. Psychologisch betrachtet spielt hier die Selbstwirksamkeit eine zentrale Rolle – das Vertrauen in die Fähigkeit, das eigene Leben aktiv gestalten zu können. Viele Menschen geraten nicht deshalb in Stress, weil sie schwach sind, sondern weil sie zu lange stark sein wollten. Wer lernt, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie freundlich, aber klar zu kommunizieren, stärkt nicht nur seine Selbstwirksamkeit, sondern gewinnt auch inneren Raum zurück. Fragen wie „Was brauche ich gerade wirklich?“ sind einfache, aber kraftvolle Wegweiser zu mehr innerer Klarheit.


Ihr Körper spielt eine zentrale Rolle. Emotionale und körperliche Prozesse sind eng miteinander verknüpft. Hier zeigt sich das ein ganzheitlicher Ansatz zielführend ist um die eigene gesamtsituation zu verbessern. Ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung und nährende Pausen unterstützen den Körper darin, stressbedingte Anspannung abzubauen. Schon ein kurzer Spaziergang kann den Geist weiten, den Stresspegel senken und neue Energie freisetzen. Dabei ist es wichtig, sich nicht mit übermäßiger Selbstkritik zu begegnen. Viele Menschen reagieren auf Stress mit innerem Druck oder Härte, obwohl gerade in belastenden Zeiten ein freundlicher Umgang mit sich selbst die größte Wirkung zeigt. Die Bedeutung von Selbstmitgefühl ist die Fähigkeit, sich selbst mit derselben Wärme zu begegnen, die wir einem guten Freund schenken würden. Diese Haltung schafft inneren Halt – besonders dann, wenn das Außen unruhig ist.

Sich an die eigenen Ressourcen zu erinnern ist nicht immer einfach, doch auch hier lohnt es sich Unterstützung zu suchen. Psychologisch betrachtet spielt hier die Selbstwirksamkeit eine zentrale Rolle – das Vertrauen in die Fähigkeit, das eigene Leben aktiv gestalten zu können. Jeder Mensch trägt Erfahrungen, Fähigkeiten und persönliche Stärken in sich, die in herausfordernden Momenten Orientierung geben können. Oft geraten sie in Vergessenheit, wenn der Stress Überhand nimmt. Ein bewusstes "sich zurück Besinnen" auf das was uns bereits durch frühere schwierige Phasen getragen hat, wirkt stabilisierend und ermutigend.


Selbstmitgefühl statt Selbstkritik: Viele Menschen reagieren auf Stress mit innerer Härte: „Reiß dich zusammen“, „Ich muss mehr schaffen“. Es hat sich gezeigt, dass Selbstmitgefühl – also ein freundlicherer Umgang mit sich selbst – langfristig deutlich effektiver ist. Stellen Sie sich vor, ein guter Freund käme mit demselben Problem zu Ihnen. Was würden Sie ihm sagen? Sprechen Sie auf diese Weise auch mit sich selbst.


Innere Ruhe ist kein Zufall, sie ist eine Entscheidung. Stressige Phasen lassen sich nicht immer verhindern. Sie können lernen achtsam zu handeln und anders mit Ihrem Stress umzugehen. Unterstützen Sie Ihren Körper, lernen Sie Grenzen zu setzen und mit sich selbst liebevoller umzugehen. Schaffen Sie neue Räume für Ruhe und Klarheit.

Innere Ruhe entsteht Schritt für Schritt – durch praktische, alltagstaugliche Gewohnheiten und durch eine wertschätzende Haltung sich selbst gegenüber. Innere Ruhe entsteht nicht durch einen einzigen großen Schritt, sondern durch viele kleine, achtsame Entscheidungen im Alltag. Sie wächst, wenn wir uns selbst ernst nehmen, uns erlauben, Pausen zu machen, und bewusst jene Momente suchen, die uns nähren. Stress wird dadurch nicht verschwinden – doch wir lernen, ihm mit mehr Gelassenheit und Klarheit zu begegnen.


Wenn Sie den Wunsch verspüren, diese Wege vertiefend zu erkunden, Unterstützung beim Sortieren Ihrer Gedanken benötigen oder sich Begleitung auf Ihrem Weg zu mehr innerer Ruhe wünschen, dürfen Sie sich jederzeit vertrauensvoll an mich oder andere beratende Anlaufstellen wenden. Veränderung beginnt oft mit dem Mut, hinzuschauen – und mit dem ersten liebevollen Schritt zu sich selbst.

Miriam Kaatsch



 
 
 

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